Jan Peter Helmer

Rede Gedenkstein Vertriebene

Einweihung des Gedenksteins zur Erinnerung an die Vertreibungen nach dem 2. Weltkrieg – 17.10.2010 Wolframs-Eschenbach

Rede des CSU-Kreisvorsitzenden Jan Helmer:

„Ich bin 75 und mit Leib und Seele Franke, aber ich will nicht, dass die Not unserer Eltern vergessen wird.“

Sehr geehrte Damen und Herren,
diesen Satz hat mir der Ortsobmann der Sudetendeutschen Landsmannschaft, Herr Willi Ludwig, mit der Einladung zu der heutigen Einweihung übermittelt.

Lieber Herr Ludwig, in diesem Satz liegt der Kern Ihres Engagements, in diesem Satz liegt aber auch der Auftrag und die Verpflichtung für uns alle, für die Heimat und für die Rechte der Menschen einzutreten. Vielen herzlichen Dank für die Einladung und für die Organisation der heutigen Veranstaltung.

Ich selbst bin zur Hälfte Sudetendeutscher. Mein Vater stammt aus der Stadt Saaz. In den letzten beiden Jahrzehnten bin ich oft in die Stadt meiner Väter gekommen. Ich bin vor dem Haus gestanden, in dem mein Großvater gelebt und mein Vater wesentliche Teile seiner Kindheit und Jugend verbracht hat.
In diesen Momenten habe ich keinen Schmerz und vor allem keinerlei Begehrlichkeiten wegen des verlorenen Eigentums verspürt. Sehr viel prägender war aber die Erkenntnis, dass unsere Familie Wurzeln hat, die wir mit vielen Menschen teilen, und dass wir Jüngere dieses Andenken bewahren müssen.

Mein Vater ist heute 80 Jahre alt. Nach vielen Jahrzehnten des Schweigens hat er vor einiger Zeit damit begonnen, die Geschehnisse bei der Vertreibung aus der Heimat aufzuarbeiten und zu dokumentieren. Ich habe die Ergebnisse auf einer Internetsite veröffentlicht.

Bei dieser Arbeit ist mir klar geworden, dass die Vertreibung eben nicht, wie oft dargestellt, der „Befreiungsschlag des geknechteten tschechischen Volkes gegen die deutschen Gewaltherrscher“ war. Ganz im Gegenteil. die Menschen in Böhmen haben in guter und friedlicher Weise zusammen gelebt. Die Ethnie, die Zugehörigkeit zu einer Volksgruppe hatte eigentlich nur eine geringe Bedeutung. Das Sudetenland hat durch die Arbeit der Deutschen und der Tschechen in guter Weise prosperiert.

Die Vertreibung war nichts anderes als ein barbarischer Akt, der von oberster Stelle des nach Kriegsende kommunistischen Tschechiens angeordnet und geduldet war. Ja, es waren ehemals tschechische Mitbürger, vielleicht sogar Freunde aus Schule und Arbeit, die die Gräueltaten begangen haben. Aber, wir dürfen das tschechische Volk nicht unter Generalverdacht stellen. Der Mob bestand nur aus wenigen, die Kommunisten haben diese wenigen zu ihrem Tun angehalten.

In Bayern haben viele der heimatvertriebenen Sudetendeutschen eine neue Heimat gefunden. Sie bilden jetzt den vierten bayerischen Stamm.

Die gute Entwicklung unserer Heimat war nur mit dem Fleiß und der Arbeit der Sudetendeutschen möglich!

Über mehr als sechs Jahrzehnte hat die bayerische Politik für die Sudetendeutsche und ihre Rechte gekämpft.

Und ich sage Ihnen: dieser Kampf muss weitergehen.
Tschechien muss als Rechtsstaat, der in der internationalen Völkerfamilie aufgenommen ist, die völkerrechtswidrigen Benes-Dekrete widerrufen.

Und: Wir müssen im eigenen Land wachsam sein. Jeder der in unserem Land Aufnahme findet, muss unser Grundgesetz und unsere christlich geprägte Leitkultur akzeptieren.

Jeder in unserem Land muss Toleranz für sein Gegenüber, für alle anderen Menschen leben.

Ich sage dies frei heraus, weil ich weiß, dass unsere Menschen eine Sehnsucht nach Ehrlichkeit haben. Eine wichtige Lehre aus der deutschen Geschichte lautet eben, dass wir solchen, die fanatisch Intoleranz predigen, mit aller rechtsstaatlicher Härte gegenüber treten müssen.

Lassen Sie uns daher mit Energie und Leidenschaft unsere Demokratie verteidigen, schweigen wir nicht, wenn sich Dinge in unserem Land falsch entwickeln, lassen Sie uns immer den Mut zum aufrechtem Gang beweisen.

Möge uns dieser Gedenkstein hierzu stets ermahnen.

Für unser deutsches Vaterland, mit Ihrer und Gottes Hilfe.

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